„Schätze, was du hast …“ – Interview mit Frau Friederike Börzel

Frau Börzel, Sie sind nun seit Anfang Februar am GSG. Wie gefällt es Ihnen hier nach den ersten Wochen in der Schule?

Es gefällt mir hier sehr gut. Wir wurden sehr herzlich aufgenommen und sowohl die Kollegen als auch die Schüler sind sehr nett, offen und hilfsbereit. Zudem beeindruckt mich das Engagement der ganzen Schulgemeinschaft.

 Welche Fächer haben Sie studiert?

Ich habe Mathematik und Geographie studiert,

Und wo haben Sie studiert?

            Ich habe an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg studiert.

Wollten Sie schon immer Lehrerin werden oder war es einfach eine spontane Entscheidung?

Der Lehrerberuf hat mich schon sehr früh interessiert und ich wollte auch immer Mathematik studieren. Das Interesse an Geographie entstand erst im Laufe der 12. und 13. Schulklasse im Profilkurs. Ich hatte einen sehr guten Lehrer, der mein Interesse so sehr weckte, dass ich unbedingt Geographie studieren wollte.

Was gefällt Ihnen besonders am Lehrerberuf?

Ich arbeite gerne mit Menschen, bevorzugt mit Kindern und Jugendlichen und die pädagogische Arbeit macht mir sehr viel Spaß. Es bereitet mir große Freude, das Wissen in meinen Interessensgebieten Mathematik und Geographie, zu vermitteln. Im Lehrerberuf habe ich alle Komponenten, die meinen Wunschberuf ausmachen: Pädagogik, Wissensvermittlung und Wissenschaft.

Verraten Sie uns, was Sie studiert hätten, wenn Sie nicht Lehrerin geworden wären?

Ich habe neben meinem Staatsexamen noch einen Bachelor in Geographie erworben. Ich glaube, ich würde als Geographin im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit tätig sein.

Ist Ihnen in Ihrer Schulzeit mal etwas Peinliches passiert?

Da ich im Kunstunterricht während einer Stunde mit einer Mitschülerin geredet habe, musste ich zur Strafe auf dem Flur weiterzeichnen. Ich musste mitten auf dem Flur sitzen und während der Pause durcharbeiten. Da sind natürlich alle Lehrer und Schüler an mir vorbeigelaufen und alle haben erfahren, dass ich den Unterricht gestört habe. Das war mir sehr unangenehm.

Sind Sie als Schülerin gerne in die Schule gegangen?

Ich besuchte bis zur 10. Klasse eine Realschule, auf der es mir nicht besonders gut gefallen hat. Ich kam mit einigen Lehrern nicht zurecht, bin aber wegen meiner Mitschüler nicht ungern in die Schule gegangen. Im Gymnasium war das anders. Ich hatte durchweg motivierte und engagierte Lehrer und tolle Mitschüler und durfte erleben, wie viel Spaß Schule machen kann.

 Waren Sie eher ein ruhiger oder ein auffallender Schüler?

Bis in die Oberstufe war ich eine eher auffällige Schülerin. Während des Unterrichts habe ich mich gerne mit meinen Mitschülern unterhalten und ich hatte mit einigen Lehrern Probleme. Ab der Oberstufe und einem damit bedingten Übergang von der Realschule auf das Gymnasium war ich dann eine ruhige Schülerin und ich kam mit meinen Lehrern sehr gut zurecht.

Sie sagten, Sie waren zuerst auf der Realschule. Wie war der Wechsel für Sie von der Realschule aufs Gymnasium? Wie kam der Entschluss zustande, die Schullaufbahn fortzusetzen?

Meine schulische Laufbahn entspricht nicht der typischen. Nach der Mittleren Reife habe ich zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr im Universitätsklinikum in Mannheim gemacht, da ich damals noch den Berufswunsch Krankenschwester hatte. In dieser Zeit habe ich jedoch festgestellt, dass dies kein Beruf ist, den ich mein Leben lang ausüben möchte und ich habe schon mit dem Gendanken gespielt, Lehrerin zu werden. Deshalb habe ich mich entschlossen, wieder zur Schule zu gehen. Ich habe zunächst die Fachhochschulreife an einer beruflichen Schule erworben. Damals wollte ich Sonderschullehrerin werden. Mir wurde jedoch immer stärker bewusst, dass ich gerne einen stärkeren fachwissenschaftlichen Aspekt bei meiner Arbeit haben möchte und kam so zu dem Berufswunsch Lehrerin für das Gymnasium. Daher bin ich noch zwei Jahre ein Gymnasium besucht. Der Wechsel auf das Gymnasium viel mir dann leicht, da ich während der Fachhochschulreife die Lücken füllen konnte, die den Unterschied zwischen Realschule und Gymnasium ausmachen.

Gibt es irgendetwas, von dem Sie als Schüler dachten: Wie kann das ein Lehrer nur machen?

Ja, mich als Strafe auf den Flur zu setzen und dort während der Pause arbeiten zu lassen. Das empfand ich als Demütigung. Diese erzieherische Maßnahme erachte ich bis heute als fragwürdig.

 Welches war Ihr Lieblingsfach und mit welchem konnten Sie überhaupt nichts anfangen?

Meine Lieblingsfächer waren Mathematik, Geographie und Biologie. Französisch lag mir nicht so. Schriftlich war ich zwar ganz gut, aber bei der Aussprache tat ich mich schwer. Aufgrund meiner sehr engagierten Lehrerin war es jedoch nie so, dass ich mit dem Fach überhaupt nichts anfangen konnte.

 Und warum ausgerechnet Mathe? Die meisten von uns stehen mit Mathe eher auf Kriegsfuß …

Ich finde Mathematik logisch und ich knoble gerne, was sich in Mathematik durchaus wiederfindet. Als Schüler hat es mir immer sehr viel Spaß gemacht, da es eines der wenigen Fächer war, in dem ich eine unmittelbare Rückmeldung über mein Können erhalten habe. Aufgaben, die anfangs unlösbar erschienen, weckten mein Interesse und ich habe mich dann stundenlang damit beschäftigt. Wenn ich es geschafft hatte, die Aufgabe zu lösen, war dies für mich ein Erfolgserlebnis und motivierte mich für neue Aufgaben.

Was für Hobbies haben Sie?

Ich gehe regelmäßig zum Kickboxtraining. Gerne unternehme ich etwas mit Freunden und ich lese viel. Ich interessiere mich sehr für andere Kulturen und Länder und ich reise gerne. In meiner Freizeit engagiere ich mich für die Trinkwasserinitiative Viva con Agua.

Was ist das genau für eine Initiative?

Viva con Agua ist eine NGO (Non-governmental organization), die sich für einen menschenwürdigen Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung einsetzt. Durch verschiedenste Aktionen versuchen wir auf die globale Trinkwasserproblematik aufmerksam zu machen und Spenden zu generieren. Damit werden dann in unseren Projektgebieten (derzeit Äthiopien, Uganda, Indien und Nepal) Brunnen und sanitäre Anlagen gebaut und Hygieneschulungen durchgeführt.

Was hören und schauen Sie?

Ich schaue mir gerne Reportagen über fremde Länder und Kulturen an und natürlich auch Nachrichten. Abends entspanne ich auch gerne mal bei einem Spielfilm oder einer Sitcom. Mein Musikgeschmack ist vielfältig, bevorzugt jedoch Dancehall, Rap und Afropop.

Kochen Sie gerne?

            Ja, ich koche ganz gerne und ich glaube auch ziemlich gut. Backen liegt mir hingegen nicht.

Was war der schönste Ort, den Sie je besucht haben?

Das ist auf jeden Fall Tansania. Das Land ist wunderschön und sehr facettenreich. Außerdem mag ich die Kultur sehr gerne. Ich hatte die Chance, vier Monate an einer kleinen Dorfschule zu arbeiten und konnte so das typische tansanische Leben kennenlernen und Freundschaften knüpfen.

Wo waren Sie noch nie, aber würden gerne mal dorthin?

            Ruanda, Madagaskar und La Réunion.

Wie würden Sie sich selbst beschreiben? Haben Sie besondere Macken oder Stärken?

Ich glaube, ich bin ein eher ruhigerer Typ, lache aber sehr gerne und viel und ich habe sehr viel Geduld. Eine meiner Macken ist sicherlich, dass ich sehr selbstkritisch bin, was mir manchmal aber auch zugute kommt. Außerdem bin ich ein Morgenmuffel.

Und wenn Sie sich mit drei Wörtern beschreiben müssten?

            Hilfsbereit, einfühlsam und lebensfroh.

Würden Sie uns Ihr Geburtsdatum verraten?

            Ich wurde am 31. Mai 1987 geboren.

Zum Schluss noch: Wie heißt Ihr Lebensmotto?

Einen Spruch habe ich nicht als Lebensmotto. Nachdem ich bei einigen Auslandsaufenthalten jedoch gesehen haben, wie viele Menschen in Armut und Hunger leben, wurde mir Folgendes bewusst: Schätze was du hast und sei dankbar dafür, es ist nicht selbstverständlich.

 Vielen Dank für das Interview!

 Radio GSG

Umfrage

G 8 oder G 9? Immer mehr Bundesländer beschließen das Zurück zum neunjährigen Gymnasium. Was ist deine Meinung?

Ja, ich bin für G 9! - 55.6%
Nein, G 8 soll bleiben! - 22.2%
Ich fände es gut, wenn beide Züge angeboten würden wie in Bayern: Rückkehr zu G 9 in Kombination mit Überholspur (G 8). - 22.2%

Gesamte Stimmen: 9
Die Umfrage wurde beendet ein: 31 Jul 2017 - 00:00

antigone aktuell

Nähere Informationen zur Schülerzeitung: antigone aktuell

Neu: Literaturecke

Bei www.schnupperbuch.de findet Ihr Leseproben zu neu und bereits erschienenen Büchern: Kinder- und Jugendbücher, Romane und Erzählungen, Krimi und Thriller, Fantasie und Fiktion u.v.m.

Die Zeit für euch

Copyright 2012. All rights reserved.
Powered by Joomla!. Valid XHTML and CSS.